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So ging es mir!

Anja (41) mit Tochter Stella (1 Jahr)

 

Wenn überhaupt alleinerziehend, dann ist Fürth sicher ein guter Ort dafür! Die Wege sind kurz, die Angebote vielfältig und dennoch überschaubar, es gibt Kreise, da trifft man sich immer wieder und die (Mütter-)Netzwerke wachsen schnell.

Ich habe im Sommer 2010 einen Mann kennen gelernt und mich stürmisch in ihn verliebt. Ich hatte mich als Single auf einem hohen Lebensstandard eingerichtet, einen Führungsjob in München, der mich stark in Beschlag genommen hat. Schon nach wenigen Wochen mit ihm war ich schwanger und freute mich auf das Baby, der Vater zögerte. Wir waren zur Geburt noch zusammen, er hat sich aber kurz danach getrennt. Für ihn hat es nicht geklappt, für mich war und ist er die große Liebe. Das macht es auch jetzt – fast ein Jahr nach seiner Entscheidung – schwer im Umgang miteinander. Er kommt alle zwei Wochen und besucht seine Tochter. Die beiden miteinander zu sehen ist nicht leicht für mich: Er ist ein liebevoller Vater und es tut weh, dass wir nicht immer zusammen sein können. Ihm entgeht so Vieles im Alltag. Ich schreibe ihm eine SMS, wenn es große Neuigkeiten gibt, wie z. B. ein neuer Zahn oder die aktuellen Ergebnisse (Größe, Gewicht) einer Vorsorgeuntersuchung. Ansonsten maile ich öfter Fotos, um ihn ein wenig teilhaben zu lassen.

Mein Leben ist jetzt völlig anders als ohne Stella. Ich wohne jetzt wieder in Fürth, mein Jahr Elternzeit geht zu Ende. Im Moment sind wir noch viel in Krabbelgruppen, Pekip udgl. unterwegs. Das wird sich ab Herbst ändern, denn wenn das Elterngeld nach 14 Monaten ausbleibt, muss ich unseren Lebensunterhalt verdienen. Mein Job in München war nicht in Teilzeit möglich, so dass ich jetzt hier freiberuflich tätig sein will. Stella kommt im September in die Krippe und ich hoffe, dass ich ab Oktober loslegen kann. Gespannt bin ich, wie wir beide das gemeinsam hinkriegen werden – einen neuen Alltag, in den wir erst reinfinden müssen. Manchmal mache ich mir Sorgen, ob wir uns die Wohnung leisten können. Ob ich in Teilzeit genug Geld für uns beide verdienen kann. Ob ich noch viel Zeit für Stella haben werde. Oder ob es vielleicht sogar beide von den Veränderungen profitieren werden. Ich freue mich schon auch auf’s Arbeiten und es wird dann im Idealfall ja mehr Zeit geben als jetzt – wenn ich abends, wenn sie schläft, noch am PC arbeite.

Ob es hart ist, alleinerziehend zu sein? Nunja, ich kenne es ja im Prinzip nicht anders. Natürlich würde ich gerne öfter mal abends ins Kino oder lange ausschlafen und der Papa kümmert sich. Ich hätte ihr gerne die Unruhe in den ersten Lebensmonaten erspart, die Trennung und Umzug bedeutet haben. Auch frage ich mich manchmal, ob ich es richtig mache und dann gibt es eben kein Korrektiv – keinen Papa, der abends nach Hause kommt. Anderseits kriegt sie von mir auch viel ungeteilte Aufmerksamkeit, weil wir ganz oft nur für uns sind. Ich denke, ich komme allmählich rein in das Muttersein und zu zweit Familiesein. Wenn ich es mir hätte wünschen können, würden wir zu dritt zusammen leben. Als richtige Familie. Ich hatte so gehofft, dass sie das erleben kann. Anderseits ist sie so ein bezauberndes Mädchen und ich glaube einfach, dass sie spürt, dass wir sie lieben: ihr Vater, ihre Mutter, ihre Halbschwester, die Großeltern, Tanten und die Cousine.

 

 

Alleinerziehend, aber gut vernetzt

 

In manchen Kulturen hilft ein ganzes Dorf mit, ein Kind groß zu ziehen. Nicht so in Deutschland. Wir wollen am liebsten alles alleine bewerkstelligen, unabhängig von fremder Hilfe sein, autonom. Bei mir war das auch so, bis ich mich vor gut eineinhalb Jahren mit Neugeborenem, aber ohne Mann wieder fand. Inzwischen ist klar, ohne Unterstützung schaffen wir es nicht.

 

Da ist es gut, ein tragfähiges Netzwerk zu haben: Meine Eltern leben in der Nähe und übernehmen die Nachmittagsbetreuung, wenn ich arbeite. Das reicht aber noch nicht, ich muss für meinen Job regelmäßig morgens um 6 Uhr los und eine Freundin – auch alleinerziehend – übernimmt dann mein Kind. Ich bin freiberuflich, halte Seminare in Unternehmen und bin zwar nur wenige, dafür aber lange Tage unterwegs. Meist arbeite ich von zu Hause aus, tagsüber wenn meine Tochter in der Krippe ist, abends oder alle zwei Wochen am Wochenende, wenn ihr Papa zu Besuch ist.

 

Die Treffen mit anderen Alleinerziehenden tun einfach gut! Wir unterstützen uns, tauschen uns aus, geben Tipps, helfen uns gegenseitig, oder unternehmen gemeinsam etwas Schönes mit den Kindern.

Bericht einer unserer Alleinerziehenden Mütter, erschienen auch in Fankenkids 2013